Haben Sie schon einmal einem Kindle-Besitzer bei seiner Lektüre über die Schulter geschaut? Und wie sieht das Schriftbild bei einem Tablet-PC aus? Dann ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Buchstaben viel größer eingestellt sind, als das bei einem gedruckten Buch der Fall ist. Und das liegt selten daran, dass der eBook-Leser eine Sehschwäche hat. Vielmehr kann die Einstellung einer höheren Buchstabengröße auf die schlechte Auflösung eines Computerbildschirms und eines eReaders zurückgeführt werden.
Darstellung bei Print-Erzeugnissen
In Print-Erzeugnissen liegt die Buchstabengröße bei 10 bis 11 pt. Auf dem Bildschirm ist diese Schriftgröße kaum zu lesen, sogar bei 12 bis 14 pt. ist die Schrift immer noch schwer zu entziffern. Studien gehen sogar davon aus, dass wir gedruckte Text zu 25 Prozent schneller lesen als Texte auf dem Bildschirm.
Das Problem ist, dass die Abgrenzung der einzelnen Buchstaben nicht scharf genug ist. Vor allem bei Tablet-PCs ist es so, dass die Bilder und Buchstaben durch leuchtende Pixel dargestellt werden. Das Schriftzeichen besteht also nicht aus schwarzen Pixeln, sondern aus den Zwischenräumen, die zwischen den hell-weißen Pixeln entstehen. Durch das Abstrahlen der hellen Pixel, der sogenannten Aura, entsteht dann das unscharfe Bild. Dem kann man durch eine Reduzierung der Monitorhelligkeit entgegenwirken, da hier die hellen Pixel weniger stark leuchten. Die optimale Lösung ist es aber nicht.
Glättung der Schriftzeichen als Lösung?
Eine Technologie, die dieses Problem angeht, heißt “Font Smoothing”. Mit partiell leuchtenden Pixeln werden die gezackten Ecken der Schriftzeichen geglättet. Damit wird die Schrift in kleiner Größe besser lesbar.
LCD-Bildschirme sind aufgrund ihres Aufbaus ein bisschen besser dazu geeignet, Schrift und damit auch eBooks darzustellen. Allerdings fällt hier auf, dass die Buchstaben häufig einen farbigen Schatten werfen. Das passiert immer dann, wenn die Schriftzeichen geglättet werden und sich die Pixel nicht so gut mit dem weißen Hintergrundleuchten verbinden.

Hier können Sie sehr gut erkennen, wie bei der Schriftdarstellung auf dem iPad farbige Schatten geworfen werden.
Vorteile von eInk bzw. Electronic Paper
Electronic Paper bietet dagegen einige Vorteile. Bei der eInk-Technologie kommen statt leuchtender Pixel pigmentierte Partikel zum Einsatz. Der Kontrast ist dadurch deutlich höher, allerdings wird auch hier eine Glättung vorgenommen. Der Unterschied besteht darin, dass die Ausgleichspartikel in unterschiedlichen Graustufen zum Einsazu kommen. Dadurch wirkt das Schriftbild immer noch etwas verschwommen.

Auf dem Kindle 4 sieht die Darstellung der Schrift schon besser aus, die gezackten Ränder sind aber immer noch sichtbar.
Wie hoch der Kontrast bei einem eReader ist, lässt sich also an der Graustufendarstellung ablesen.
Fokussierung anstrengend für die Augen
Das ständige Glätten der Ränder ist für unsere Augen sehr anstrengend, da sie ständig fokussieren müssen, um die verschwommenen Buchstaben besser erkennen zu können. Für eine bessere Lesbarkeit ist es also unerlässlich, die Schriftgröße höher einzustellen. Das wirkt sich zwar negativ auf das Lesevergnügen aus, da häufiger umgeblättert werden muss, die Buchstaben sind aber klarer und deutlicher erkennbar.
Optimale Ergebnisse nur unter bestimmten Voraussetzungen
Die besten Ergebnisse für Buchstaben lassen sich auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm mit einer Auflösung von 300dpi erkennen. Das Problem: Die meisten eReader-Hersteller konzentrierten sich derzeit eher auf die Herstellung von eInk-Displays, die zusätzlich Farben darstellen, statt auf hochauflösende Schwarz-Weiß-Displays.
Wenn Sie jetzt denken: Aber die Hersteller kümmern sich doch teilweise um höhere Bildschirmauflösungen, man denke nur an das neue iPad, dann gebe ich Ihnen natürlich recht, aber auch hier liegt die Auflösung lediglich bei 264 dpi. Außerdem handelt es sich um ein Farbdisplay. Andererseits ist ja das Besondere an den eBooks, dass sie mit Videos, Grafiken und anderen Illustrationen angereichert werden können, die wir uns lieber auf einem Farbdisplay ansehen.
Techniken noch nicht zu 100% ausgereift
Damit steckt der Leser also in der Zwickmühle. Entweder profitieren wir von den zahlreichen Möglichkeiten und der Interaktivität digitaler Lektüre – oder wir legen den Fokus auf eine optimale Darstellung der Buchstaben. Für Vielleser, die sich einen eReader anschaffen wollen, um sich komfortabel dem Lesegenuss hinzugeben, ist damit ein Schwarz-Weiß-Display mit hoher Auflösung sinnvoll, während sich Fans von illustrierten eBooks eher auf LC-Displays bzw. Farb-eInks stürzen sollten. Beide Techniken sind aber noch nicht zu 100 Prozent ausgereift.
Die Inspiration für diesen Artikel habe ich CreativePro.com gefunden. Die hier dargestellten Bilder habe ich aufgenommen, in dem verlinkten Artikel finden Sie aber noch mehr Bildmaterial.
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