Ich habe auf diesem Blog bereits über das Phänomen “Social Reading”, also dem Teilen des Lese-Erlebnisses, berichtet. Der Österreicher Johann Kunz bringt das Soziale, Gemeinschaftliche nun auch in die Schreibwelt. Vor anderthalb Jahren, Anfang 2011 startete die Plattform “CollWriting”, bei der Interessierte zusammen ein eBook erstellen können. Nun wurde das erste eBook aus der Gemeinschaftsfeder veröffentlicht.
Doch wie entsteht so ein Gemeinschafts-eBook? Ein User beginnt mit der Geschichte. Andere, ebenfalls bei der Plattform registrierte Nutzer, können zu diesem Anfang eine Fortsetzung schreiben. Das Besondere: Immer der jeweils zuletzt geschriebene Beitrag kann von allen Community-Mitgliedern bearbeitet werden – solange, bis ein neuer Beitrag hinzugefügt wird.
Bei dem ersten eBook von verschiedenen Autoren handelt es sich um den Titel “Mission Afrika”. Das digitale Buch umfasst 255 Seiten, an der Geschichte haben sich 69 Autoren beteiligt. Die Idee zum Buch entstand vor rund einem Jahr, als Kunz infolge einer Hungerkatastrophe in Ostafrika eine Facebook-Gruppe gründete, um die Notleidenden zu unterstützen. Mission Afrikaist bei Amazon als Kindle-Edition für 1,03 Euro erhältlich.
Mit dem Kauf des Buches unterstützen Sie die Äthiopienhilfe “Menschen für Menschen”, an denen alle Einnahmen des eBooks gehen.
Auf der Plattform werden derzeit fünf weitere Projekte von insgesamt 150 registrierten Nutzern bearbeitet. Neben deutschen eBooks sollen aber auch englische Werke entstehen. So steht eine romantische Geschiche mit dem Titel “Popstars küssen besser” in den Startlöchern, während Fans englischsprachiger Science-Fiction bei “Exploding Universe” mitarbeiten können. Geplant ist, dass bei den nächsten Veröffentlichungen die Einnahmen unter den Autoren geteilt werden.
Ich finde die Idee einer kollektiven Schreibwerkstatt sehr spannend und denke, dass mehr eBooks dieser Art veröffentlicht werden können, wenn sich auch mehr Hobbyautoren beteiligen. Schließlich hat es von dem Plan des Buches bis hin zur endgültigen Realisierung ein Jahr gedauert. Da die Beiträge bzw. Fortsetzungen editierbar sind, kann auch eine runde Geschichte erzählt werden. Sowohl Registrierung als auch Nutzung der Plattform sind kostenfrei.
Quelle: derStandard.at