Wir alle haben sie schon einmal gelesen: unechte Rezensionen auf Amazon und anderen Online-Plattformen. Das Problem: Die meisten Internetnutzer, die sich für einen Online-Kauf entscheiden, schenken den Bewertungen und Urteilen anderer Nutzer Vertrauen. Schließlich kann sich niemand auf die Werbeversprechen des Produktherstellers verlassen. Auch bei eBooks werden nicht selten Gefälligkeitsrezensionen abgegeben. Da werden schlechte eBooks in den Himmel gelobt und, schlimmer noch, gute Literatur niedergemacht, damit andere Autoren profitieren. Doch wie entlarve ich diese Falschrezensionen und gibt es technische Möglichkeiten, diese auszuschließen?
Tool zur Entlarvung unechter Rezensionen
In einem Beitrag von Beyond-Print.de bin ich auf eine interessante Neuerung gestoßen: Google-Experten und Forscher von der University Illinois arbeiten an einer Software, die falsche Rezensionen entlarven soll. Das Tool wird von einem Hilfsteam unterstützt, das für die Klassifizierung der Bewertungen verantwortlich ist. In dem Team sind acht Review-Experten von eBay und dem indischen Portal Rediff. Die Forscher haben sich bewusst gegen Amazon-User entschieden.
Den Experten wurden 2.400 Bewertungstexte vorgelegt, die sie in drei Kategorien einteilen sollten. In die eine Kategorie gelangten alle Rezensionen, die nicht authentisch und damit Spam waren. Echte Erfahrungsberichte wurden dagegen in die Kategorie „kein Spam“ eingeordnet. In der dritten Kategorie sammelten sich dann alle Bewertungen, die von den Experten als „grenzwertig“ eingestuft wurden.
Welche Faktoren werden verglichen?
Nach der Expertenmeinung kommt nun ein Algorithmus ins Spiel, der jeden Text auf gemeinsame Merkmale abscannt. Doch woran lassen sich die gefakten Rezensionen erkennen? Der Vergleich der Software macht folgendes deutlich:
- die Fake-Rezensionen werden von Personengruppen verfasst
- Postings in kurzer Zeitabfolge sind die Regel
- Briefing der Autoren führt dazu, dass sich einige Textmerkmale wiederholen
Das Tool erkannte im Testlauf große Spammergruppen, bei der Entlarvung individueller Fake-Rezensionen tut sich die Software allerdings noch schwer.
Gefälligkeitszensionen und Verrisse innerhalb der Autorenszene
Auf der Seite von Hendryk C. Hollbeck habe ich mehr über die “Rezensions-Mafia” gelesen, die im Kindle-Shop ihr Unwesen treibt und damit die Indie-Publisher-Szene in Verruf bringen könnte. Eine geheime Gruppe von Autoren schreibt positive Bewertungen zu ihren eigenen Werken bzw. lassen diese von anderen Kollegen verfassen. Konkurrenten werden angeblich durch Verrisse abgewertet. Doch wie kann ich unechte Rezensionen von echten Meinungen unterscheiden?
Achten Sie auf die Bewerterprofile. Anhand des Profils lässt sich leicht erkennen, welche Bewertungen in der letzten Zeit abgegeben und über welche Themengebiete Beurteilungen geschrieben wurden. Unstimmigkeiten deuten meist darauf hin, dass es sich um eine Fake-Rezension handelt. Außerdem gibt es ja im Kindle-Shop auch die Möglichkeit, eine kostenlose Leseprobe herunterzuladen und sich ein eigenes Bild von dem eBook zu machen.
HCH
12. Juli 2012 um 13:33 Uhr
Mich würde ja interessieren, warum sich die Forscher bewußt gegen “Amazon-User” entschieden haben sollen? In dem verlinkten Artikel stand nichts dazu.
Womit sie allerdings recht haben werden (Zitat aus dem Artikel):
“Während es schwer ist, individuelle Fake-Rezensionen zu erkennen, war es zu unserem Erstaunen sehr leicht, große Spammergruppen zu identifizieren“, schreiben die Forscher in ihrem Paper, welches sie diese Woche auf der World Wide Web Conference 2012 im französischen Lyon präsentieren werden.
Nora
12. Juli 2012 um 13:41 Uhr
Aus dem Artikel geht der Grund für die Entscheidung tatsächlich nicht hervor. Meiner Meinung nach ist der höhere Aufwand der Grund. Es ist doch viel bequemer, sich für eine Handvoll Experten zu entscheiden, die wissen, was sie tun, statt zwischen den Otto-Normalverbrauchern, die bei Amazon rezensieren, auszusieben.