Wie ich in den wöchentlichen News der KW17 berichtete, verzichtet der Science-Fiction-Verlag Tor Books ab Juli 2012 auf DRM bei seinen eBooks, also auf die Kopierschutzmaßnahme Digital Rights Management. Bei dieser Maßnahme handelt es sich nicht nur um einen Schutz vor unerlaubter Verbreitung, viele Verleger oder Händler statten eBooks mit DRM aus, um sie an einen bestimmten Reader zu binden. Der Leser steht dann vor der wichtigen Frage, für welches Lesegerät er sich entscheidet. Hat er sich einen bestimmten eReader ausgesucht, muss er dann auch noch die eBooks so aussuchen, dass er sie auf dem Gerät anzeigen kann. Verrückte Welt. Ist damit endlich Schluss?
Tor Books geht mit dem Verzicht auf DRM nun einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Fakt ist: Je beschwerlicher es für den Nutzer ist, an digitale Medien heranzukommen, desto eher ist er versucht, es über illegale Quellen zu probieren. Auch die Musikindustrie hat das schmerzhaft am eigenen Leib erfahren müssen. Erst als sie den einfachen Download von mp3-Dateien ermöglichte, ging die Online-Piraterie zurück. Wünschenswert ist es also, dass eBooks ohne DRM-Gängelung und in einem Format geliefert werden, mit dem alle Geräte etwas anfangen können. Welche Dateiformate generell unterschieden werden, habe ich hier bereits ausführlich dargestellt. Der Kunde muss sich also in dem zum Reader gehörigen Shop die Bücher aussuchen, gibt es dort das gewünschte Buch nicht, steht er vor einem Problem.
Übersicht über das Dateiformat-Wirrwar:
- iOS-Geräte (iPad, iPod touch, iPhone) akzeptieren eine Vielzahl an Dateiformaten, neben ePub, PDF, Mobipocket und HTML können Sie (mit der entsprechenden App) auch das Kindle-Format erkennen. Allerdings gibt es zwei Nachteile. Zum einen lassen sich bei PDFs keine Schriftgrößen verändern – im Gegensatz zur PDF-Reflow Technik eines Sony Readers, zum anderen werden die im iBookStore gekauften eBooks mit einem digitalen Wasserzeichen versehen, sodass sie nur auf den eigenen iOS-Geräten erkannt werden.
- Kindle-Geräte können mit Mobipocket, HTML, dem unternehmenseigenen AZW-Format und PDF umgehen. Um PDFs ordentlich auf dem 6-Zoll-Display zu lesen, sind ein paar Tricks notwendig. eBooks im ePub-Format können überhaupt nicht mit einem der zahlreich angebotenen Kindle-Reader
gelesen werden.
- Der Sony Reader liest neben ePub auch PDFs. Wer häufiger PDF-Dateien liest, freut sich über die PDF-Reflow-Technik.
- Android-Geräte können, wie iOS-Geräte, ebenfalls eine Vielzahl an Formaten erkennen. Mithilfe der entsprechenden Apps stellt auch das Kindle-Format kein Problem dar.
Auf Telepolis wurde das Rechtemanagement der Verwerter übrigens mit dem Taschenspielertrick der Marx Brothers in Go West verglichen. Will der Kunde nämlich sein gekauftes Buch auf einem anderen Reader lesen, muss er es erneut erwerben. In dem Artikel sind auch die Reaktionen in Deutschland auf den Schritt des Imprints Tor zusammengefasst.
Abhilfe im Dateiformat-Wirrwarr schaffen Programme wie Calibre für Windows oder Pages für Mac-Nutzer. Apples iBooks Author hilft sogar dabei, eBooks mit interaktivem Inhalt zu erschaffen, allerdings kann man diese auch wieder nur auf dem iPad ansehen. Aber: Die Umwandlung der Formate ist zum einen mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden und zum anderen knackt man damit den Kopierschutz. Das ist natürlich illegal, auch wenn man das somit “befreite” eBook nur auf seinem eigenen Lesegeräten verwendet. Der Nutzer, der sein gekauftes eBook komfortabel nutzen will, wird damit kriminalisiert. Es wäre also wünschenswert, das nicht nur die Bindung an den Reader durch DRM aufgegeben wird, sondern auch ein einheitliches eBook-Format geschaffen wird. Mit dem ePub-Format sind Verlage, Händler und eReader-Hersteller auf dem richtigen Weg zu einem Standard für eBooks, ausgerechnet der Branchenriese Amazon sträubt sich aber gegen ePub und kocht mit dem AZW-Format sein eigenes Süppchen. Schade.

Startup BookShout verknüpft mehrere eBook-Anbieterkonten | eBooks-lesen.net
1. November 2012 um 13:57 Uhr
[...] eigene App, das kann auf Dauer ziemlich lästig sein. Der Grund: Wasserzeichen, unterschiedliche Formate (Amazon nutzt mobi, alle anderen Anbieter ePub) und das Digital Rights Management (DRM) verhindern, [...]